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Wenn die Psychotherapie schiefläuft

Stimmt der Draht zum Therapeuten nicht, gefährdet das den Erfolg der Psychotherapie. Wer sich dort nicht mehr wohlfühlt, sollte sein Problem offen ansprechen – oder sogar den Therapeuten wechseln
von Dr. med. Roland Mühlbauer, aktualisiert am 25.08.2015

Das Vertrauen ist dahin: Psychotherapie lebt vom guten Verhältnis zum Therapeuten

F1online

Eine Psychotherapie soll Menschen helfen, die eine seelische Erkrankung haben. Aber nicht immer läuft die Therapie so, wie sich der Patient das vorstellt. Der eine erhofft sich, eine direkt umsetzbare Anleitung für sein Leben zu erhalten – was kein Psychotherapeut bieten kann und soll. Beim anderen kommt Misstrauen auf, weil sein Behandler Grenzen überschreitet, dem Patienten zu nahe kommt und sich nicht an die Berufsordnung hält. Bevor das Vertrauensverhältnis zerstört ist, bieten entsprechende Beratungsstellen ihre Hilfe an, zum Beispiel bei der Unabhängigen Beschwerdeberatung Psychotherapie in Köln, die die Psychotherapeutin Rosemarie Petry-Lehn leitet.

Frau Petry-Lehn, warum beschweren sich Patienten bei Ihnen über ihren Psychotherapeuten?

Manche möchten eine fachliche Einschätzung haben, ob das Vorgehen ihres Psychotherapeuten üblich ist – zum Beispiel wenn ein Therapeut sehr viel schweigt oder keine Ratschläge gibt. Es gibt auch Klagen über Unpünktlichkeit. Es geht bis zu schweren Verstößen gegen die Berufsordnung wie sexuellen Grenzverletzungen oder Missbrauch durch den Therapeuten.

Ein häufiges Thema sind auch Ausfallhonorare, wenn der Patient die Stunde nicht wahrgenommen hat. Es kommt nicht selten zu einem Abbruch der Therapie, weil der Therapeut ein Honorar für nicht in Anspruch genommene Sitzungen verlangt, ohne darüber mit dem Patienten eine Vereinbarung getroffen zu haben.

Typische Probleme aus der Praxis

Worauf sollten Patienten am Anfang einer Therapie achten?

Der Therapeut hat eine Aufklärungspflicht. Er muss den Patienten über den Ablauf der Therapie informieren sowie über Rahmenbedingungen wie die Anzahl der Stunden, die Dauer und die Frequenz der Sitzungen. Leider ist das immer noch nicht selbstverständlich. Außerdem sollte der Therapeut ausführlich beantworten, über welche Ausbildung er verfügt, ob er Erfahrung mit dem Krankheitsbild hat und welche Methoden er anwendet. Der Therapeut sollte auch auf Risiken und Nebenwirkungen hinweisen.

Eine Psychotherapie kann Nebenwirkungen haben?

Ja. Nebenwirkungen können zum Beispiel sein, dass es zu einer Verschlimmerung der Symptome kommt oder familiäre Konflikte entstehen, weil der Patient neue Verhaltensweisen erprobt.

Der Patient kann bis zu fünf Probesitzungen in Anspruch nehmen, um zu prüfen, ob er ein vertrauensvolles Verhältnis aufbauen kann. Das ist eine wesentliche Voraussetzung für den Therapieerfolg. Ist der Patient unsicher, ob der Therapeut zu ihm passt, kann er auch noch andere Psychotherapeuten ausprobieren. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für weitere Probesitzungen. Allerdings prüft auch der Therapeut, ob die Voraussetzungen für eine Therapie gegeben sind.

Wie kann ein Patient erkennen, dass sich der Therapeut unprofessionell verhält?

Das ist nicht leicht zu beantworten. Zunächst sollte ein Grundgefühl von Vertrauen bestehen. Wenn aber der Patient das Gefühl hat, der Therapeut verfolgt persönliche Interessen oder manipuliert ihn, sollte der Patient sich nicht scheuen, das Gespräch zu suchen. Zur Orientierung kann er sich an unsere Beratungsstelle wenden.

Ab wann überschreitet ein Therapeut Grenzen?

Das gilt für alles, was in Richtung persönlicher oder sexueller Grenzverletzung geht, genauso wenn der Therapeut den Patienten entwertet oder gegen das sogenannte Abstinenzgebot verstößt, dem jeder Therapeut unterliegt. Er darf die Behandlung nicht zur Befriedigung eigener Wünsche und Interessen missbrauchen. Ein Verstoß gegen das Abstinenzgebot liegt schon vor, wenn beispielsweise ein Therapeut die Stunden nutzt, um vorwiegend über sich und seine persönliche Situation zu sprechen. Auch private Kontakte außerhalb der Sitzungen sind nach der Berufsordnung verboten, genauso wie sexuelle Übergriffe jedweder Art.

Wann raten Sie zu einem Therapeutenwechsel?

Wir raten bei Konflikten, bei Ärger oder Enttäuschung zunächst das Gespräch mit dem Therapeuten zu suchen. Hierüber kann sich manches klären und der Patient macht idealerweise die Erfahrung, auch mit negativen Gefühlen und Kritik ernstgenommen zu werden. Auch das Empfinden, in der Therapie nicht weiterzukommen, kann vielfältige Ursachen haben und ist nicht zwangsläufig Grund für einen Wechsel. Auch darüber sollten Patienten aber offen sprechen. Ein Patentrezept, wann es Zeit für einen Wechsel ist, gibt es nicht.

Zweifel an der Psychotherapie sind angebracht, wenn der Therapeut Patienten zu einem bestimmten Verhalten drängt, zum Beispiel den Partner zu verlassen, oder wenn er massiv Einfluss auf die Entscheidungen des Patienten nimmt. Auch einen unklaren Rahmen, der keine Kontinuität gewährleistet, sowie Entwertungen und respektloses Verhalten seitens des Therapeuten müssen Patienten nicht akzeptieren.

Sucht man dann einfach einen neuen Therapeuten?

Wenn der Patient das Gefühl hat, dass dass Vertrauensverhältnis zerstört ist, der Konflikt nicht geklärt werden kann oder er in der Therapie Schaden nimmt, sollte er mit seiner Krankenkasse besprechen, ob ein Therapeutenwechsel möglich ist oder sogar ein Neuantrag gestellt werden kann.

Wann sollten sich Patienten bei Ihrer Beschwerdestelle melden?

Wenn sie sich unabhängig beraten lassen möchten. Viele Ratsuchende haben gar nicht unbedingt eine Beschwerde, sondern suchen Informationen über das therapeutische Vorgehen. Wir beraten bundesweit, kostenfrei, in der Regel telefonisch und auf Wunsch anonym. Wir versuchen uns ein Bild zu machen von dem, was der Ratsuchende in der Therapie erlebt. Wir geben eine fachliche Einschätzung zu den Vorwürfen ab und klären über die verschiedenen Therapieverfahren auf. Wir informieren über Patientenrechte, wie beispielsweise das auf Aufklärung und das Einsichtsrecht in die Krankenunterlagen sowie über offizielle Beschwerdemöglichkeiten. Die Beratung erfolgt durch eine Psychologische Psychotherapeutin, also eine Expertin. Gemeinsam mit den Ratsuchenden erarbeitet sie, was die nächsten Schritte zur Problemlösung sein können.

Adressen:

 

Unabhängige Beschwerdeberatung Psychotherapie:
Tel. 0221 16952149
petry-lehn@gesundheitsladen-koeln.de

Psychotherapie-Informationsdienst:
Tel. 030 209166330
pid@psychologenakademie.de

Informationszentrum Psychotherapie e.V. Berlin:
Tel. 030 32709137
kontakt@izp-berlin.de




Bildnachweis: F1online

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