banner_grau.gif

Adler-Apotheke

  • Apotheker Tammo Törber e.K.
  • Schulterblatt 106
  • 20357 Hamburg

Streit: Lassen Sie den Ärger raus!

Sie ärgern sich? Dann machen Sie Ihrer Wut Luft. Wer ehrlich streitet, kommt in Konflikten oft zu besseren Lösungen
von Christian Andrae, 09.12.2016

Bei Konflikten dürfen ruhig die Emotionen hochkochen

Fotolia/lassedesignen

"Eva. Ohne Butter kann ich morgen keinen Kuchen backen. Und das ärgert mich jetzt." Klingt irgendwie befremdlich? Glaubt man aber populärwissenschaftlichen Werken in der Buchhandlungsabteilung "Ratgeber Leben", dann steckt in Sätzen wie diesen der Schlüssel für eine erfolgreiche Konfliktbewältigung: Ich-Botschaften.

Ich-Botschaften vermeiden den offenen Konflikt

Ohne direkte Kritik ("Du hast die Butter vergessen!") soll sachlich und sanft der eigene Ärger auf den Punkt gebracht werden – am einfachsten eben mit einer Ich-Botschaft. Sie ­beinhaltet einen klaren Wunsch: Kuchen backen. Und auf einen Wunsch kann der andere neutral oder im ­bes­ten Fall positiv reagieren. In Du-­Botschaften dagegen steckt ein klarer Vorwurf. Und der schafft eine Distanz zum anderen.

Konflikte gehören dazu

Doch die Theorie der Ich-Botschaften, die in zahllosen Ratgeber-, Esoterik-, Sach- und Lehrbüchern immer wieder aufs Neue gelehrt wurde und wird, ist schon etwas angestaubt. ­Populäre Wegbereiter waren unter anderem die Psychologen Paul Watzlawick und Friedemann Schulz von Thun – in den 60er- und 80er-Jahren. Mittlerweile hat sich die Einstellung der Experten zu diesem Thema stark verändert.

Streit und Konflikte gehören zum Alltag. Streit und Konflikte beinhalten Emotionen. Und die sollen auch raus, sagt etwa Professor Philipp Yorck Herzberg von der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg: "Ich-Botschaften wirken immer etwas aufgesetzt. Wenn Sie nicht gerade Sozialpädagoge sind, dann werden Sie damit bei Ihrem Gegenüber wohl Verwunderung erreichen."

"Wir haben da ein Problem"

Besser ist es, direkt und kompromissbereit zu sein. Das haben Herzberg und seine Kollegen unter anderem in einer Untersuchung herausgefunden, für die Paare bei der Urlaubsplanung beobachtet wurden. Ein Thema mit viel Konfliktpotenzial: Strand, Stadt, Land oder Action; Auto, Schiff oder Flugzeug; Deutschland, Europa oder ein anderer Kontinent? "Wir haben beobachtet, dass Authentizität und die Fähigkeit, Brücken zu bauen, am vielversprechendsten waren", erläutert Herzberg. Letzteres, also Kompromissbereitschaft, könne man auch durch einen Perpektivenwechsel gewinnen: weg vom "Ich und du", hin zum "Wir haben da ein Problem, und wir arbeiten da jetzt gemeinsam an einer Lösung".

Reinigendes Gewitter

Und immer sanft muss es dabei durchaus nicht zugehen. Schreien, richtig Dampf ablassen – das ist in Ordnung. Experte Herzberg: "Das hat ja auch eine reinigende Wirkung. Man darf natürlich nicht beleidigen. Aber man darf schon einmal laut werden."

Im Idealfall könne man danach mit einem Quäntchen Humor wieder aufeinander zugehen. Einfach sagen: So, das musste jetzt einmal raus, das hat sich bei mir angestaut. Jetzt können wir wieder ruhig und sachlich miteinander reden. "Das ist authentisch und transparent", so Herzberg.

Gute Miene macht krank

Gleichzeitig warnt der Psychologe vor übergroßer Kompromissbereitschaft – etwa um den lieben Frieden zu bewahren. In Situationen, in denen scheinbar gar keine Lösung in Sicht ist, empfiehlt er einen seriellen Kompromiss: "Dieses Mal entscheiden wir es so, wie du möchtest, aber das nächste Mal bin ich dran."

Konflikte zu scheuen, davon rät Herzberg ab. Denn das kann sogar der Gesundheit schaden, wie Kollegen der Universität Frankfurt in einer Studie herausgefunden haben: In einem Call-Center-Rollenspiel hatten jene Probanden, die selbst unfreundlichen Kunden gegenüber immer nett und freundlich bleiben sollten, einen höheren Blutdruck als diejenigen, die auch mal ruppig sein durften. Das Ergebnis: Auf Dauer gute Miene zu machen macht krank.



Bildnachweis: Fotolia/lassedesignen

Lesen Sie auch:

Pärchen

Warum Verzeihen stark macht »

Wer sich gegenüber den Fehltritten seiner Mitmenschen nachsichtig geben kann, tut damit vor allem sich selbst einen Gefallen. Über die unterschätzte Kraft des Vergebens »

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren »

Krankheits-Ratgeber zum Thema

Müde Frau

Borderline (Borderline-Persönlichkeitsstörung)

Stimmungsschwankungen, impulsives Verhalten, anhaltende Schwierigkeiten im Umgang mit anderen Menschen, Selbstverletzung – all dies sind mögliche Symptome der Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) »

Spezials zum Thema

Frau schaut traurig, Jugendliche

Mobbing: Jetzt ist Schluss damit!

Ob in der Schule oder am Arbeitsplatz: Die Opfer von Mobbing sind den Schikanen ihrer Mitschüler oder Kollegen ausgesetzt. Die Folgen für die körperliche und psychische Gesundheit sind oft gravierend »

Haben Sie Schlafprobleme?

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages